Church of Euthanasia

The One Commandment:
"Thou shalt not procreate"

The Four Pillars:
suicide · abortion
cannibalism · sodomy

Human Population:
SAVE THE PLANET
KILL YOURSELF



Antisemit Superstar

Chris Korda und seine Church of Euthanasia benuzten vieles, wenn es um Durchsetzung ihrer Ziele geht. Oke göttlich und Jörg Sundermeier haben genau hingesehen.

Die Church of Eüthanäsia, der Chris Korda als Reverend vorstehe predigt ein Ende der Vennehrung. Sex sei gut, sagt Korda, aber die Ausbreitung des Menschen bringe nichts als Elend mit sich. "Save The Planet, Kill Yourself!" lautet eine Parole seiner Kirche. Ein gleichlautendes Stuck ist auch auf seiner Platte, "Six Billion Humans Can't Be Wrong" (Gigolo/EFA) zu finden.

Zur elektronischen Musik kam Korda über den Jazz "Ich begann 1977 mit Klavier und Gitarre, beschäftigte mich mit Rock und spater mit Jazz. Musik-theorie habe ich viele Jahre studiert, unter so exellenten Lehrern wie Jerry Bergonzi. In den späten 80em habe ich in einer Swing-Band gespielt, dann Fusion, dann psychedelischen Rock und an einer kleinen Musikschule unterrichtet. Mein erster Kontakt mit elektronischer Musik war Vangelis, Dann, 1991, als ich mit dem Crossdressen begann, und nach Provincetown (Massachusetts) zog, lernte ich House und Deep-House kennen. Mit der Produktion von elektronischer Musik begann, ich um 1993, und bald erschien meine erste CD 'Demons In My Head', eine Ambient-Sound-Collage."

Doch gute Musik altein zu machen, genügte Korda nicht. Schon bald begann er, nach eigener Aussage eine "sehr ungewöhnliche Persönlichkeit", sich mit dem Schicksal der Erde zu befassen. Von dem Gedanken, daß der Mensch aufhören müsse zu existieren, wurde er derart beseelt, daß er eine Lehrgemeinschaft aufbaute. Und die Musik wurde dabei für ihn zu einem Vehikel. "Elekronische Musik ist eine weitverbreitete Form der Propaganda, Sie transportiert Inhalte einfach, zumindest wenn man eine geistreiche Produktion voraussetzt. Ich kann mich mit den müden Klischees des Rock oder des Punk, die Fake-Rebellion massenhaft vermarkten, nicht identifizieren. Ich bin gegen Politik, daher ist die apolitische Natur des Technoszene für mich eher ein Vorteil."

Soweit klingt die Lehre des Kirchenfühers einigermaßen sympathisch. Korda aber ist weder naiv, noch ist er ein schlechter Propagandist. Er unterordnet die Technik seinem Ziel. So begreift er seine Musik auch kaum noch als Kunst. Gefragt nach den Vokal-Samples in seinen Tracks, erklärt er: "Wiederholung ist eine hocheffektive Form der Propaganda und daher überholt. Mit den Stimmen auf meinen Stükken will ich den Zuhörer neugierig machen, und ein Interesse herstellen, während die Wiederholungen der Phrasen ihn subliminal erreichen."

Ob er denn damit nicht zu einem Unterhaltungsmusiker wird? "Meine Musik ist nur dann effektiv, wenn sie die Leute unterhält. Boring Propaganda doesn't work. Der Unabomber ist ein gutes Beispiel. Sein 30.000 Worte-Manifest war gut durchdacht, hatte jedoch keine Entertainmentqualitäten. Die meisten Leute haben das beiseite gelegt und sich dem Sportteil zugewandt."

Die Verteidigung des Unabombers kommt nicht von ungefähr. Korda bezieht sich wiederholt positiv auf den rechtsradikalen Akademiker, der im Naturburschentum das Heil sah, und für die Verbreitung seiner, Lehre Attentate beging. Korda findet die amerikanische Erregung über den Unabomber bigott, sie erscheine surreal angesichts der Tatsache, daß ameri- kanische B52s die Bevölkerung Jugoslawiens in die Steinzeit zurückbombe. Die Lehre des Unabombers hält er für richtig, sie geht ihm allerdings nicht weit genug.

Gewalt hält er -- obschon er für militante Aktionen Bewunderung hegt -- nicht für ein geeignetes Mittel, seine Ziele durchzusetzen. Gerade der Krieg versage vollends: "Historisch gesehen sind Kriege völlig uneffektive Formen der Bevölkerungsreduzierung, nicht nur, weil ihnen Baby-Booms folgen, sondern auch industrieller Wiederaufbau und ökonomisches Wachstum. Moderne Kriege werden gerührt in Zusammenarbeit mit industriellen Kräften, und könnten als Spasmen des technologischen und ökonomischen Wachstums angesehen, werden. Wie Thomas Pynchon sagt, 'Vergeßt nicht, daß das wahre Anliegen der Kriege Kaufen und Verkaufen ist'. Außerdem verursacht Krieg eine unakzeptable Zerstörung der Natur, solange es verboten ist, biologische Waffen zu benutzen, die lediglich Menschen töten." Aber es geht Korda nicht eigentlich um Antikapitalismus. Korda begreift sich nicht als Anwalt der Menschen, sondern als Anwalt der Tiere. Die sieht er von den Industriegesellschaften unmittelbar bedroht.

Menschen kümmern ihn weniger. Auch ist ihm dabei der Holocaust relativ schnurz. "Krieg ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel, der wahre Inhalt des Industrialismus. Produktion und Verbrauch verbinden sich auf dem höchsten Punkt der Effektivität zu einem einzigen Prozeß der Desintegration. Was den Holocaust so schokkierend machte, war, daß die Lager und Eisenbahnwaggons so gewohnt waren, so gewöhnlich. Die gleichen Techniken wurden seit einem Jahrhundert auf Tiere angewandt und sind bis heute in Verwendung. In den USA schlachten wir mehr als eine Milliarde Tiere im Jahr, und das oft in 'factory farms' die sehr verdächtig nach Dachau aussehen."

Der Vorwurf damit den Holocaust zu relativieren, interessiert ihn wenig. "Das Leid der Juden übersehe ich nicht Mir geht es aber darum, daß noch immer Juden da sind, vielleicht nicht so viele in Europa, aber sicher in den Vereinigten Staaten, Um es krass auszudrücken: als Rasse, als Kultur wachsen die Juden nach. Die Millionen nichtmenschlicher Wesen, die wir in den letzten 500 Jahren ausgerottet haben, wachsen nicht nach. Sie können nicht nachwachsen, denn sie sind verschwunden, für immer." Der Holocaust ist nicht länger ein spezifisches Ereignis, er passiere laut Korda überall und jeden Tag. Die Juden wären damit nur ein Opfer unter vielen. Das ist reinster antisemitischer Dreck.

Politische und geschichtliche Ereignisse untersucht Korda nur in Bezug auf die damit verbundene Wirkung. Insofern es ihm dienlich erscheint, biegt er sich dafür die Ereignisse zurecht. Holocaust und Krieg erscheinen ihm lediglich als uneffektiv. Heißt das nicht, einen "erfolgreichen" Holocaust hätte Korda begrüßt? Soweit traut er sich nicht. Korda verurteilt Völkermord, insbesondere den an den Indianern. Danach befragt, gibt er zu bedenken, daß freiwillig ein jeder aus dem Leben scheiden soll. Warum er dann allerdings die Morde des Unabombers verteidigt, bleibt schleierhaft. Sein Antikapitalismus bleibt ebenfalls merkwürdig diffus.

Berichte über Aktionen der Church Of Euthanasia betonen gern, wieviel Spaß die Beteiligten haben. Eine Technoplatte, Aktionismus, Kirchengründung, das alles riecht geradezu nach einem Popspektakel. Zumal es immer und einizg Korda ist, der den Mittelpunkt der Aktionen abgibt. Es gäbe, schreibt die CoE, ein Foto des nackten Korda in einem Krematoriumsofen von Dachau. Das Photo war geplant, als Cover des kommenden Albums verwendet zu werden. Für den Erfolg der "besonderen Persönlichkeit", ist Korda, so scheint es, jedes Mittel recht. Antisemit zu sein, nimmt er offensichtlich gern in Kauf.

Rev. Korda's response to the charge of anti-semitism.

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